{"id":347,"date":"2016-09-07T10:12:55","date_gmt":"2016-09-07T08:12:55","guid":{"rendered":"http:\/\/webmaster.puon.at\/blog\/?p=347"},"modified":"2016-09-07T10:13:21","modified_gmt":"2016-09-07T08:13:21","slug":"wir-brauchen-keine-arbeitsplaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/webmaster.puon.at\/blog\/2016\/09\/wir-brauchen-keine-arbeitsplaetze\/","title":{"rendered":"Wir brauchen keine Arbeitspl\u00e4tze!"},"content":{"rendered":"<p>Auf jeder Wahlveranstaltung, auf jedem Wirtschaftsgipfel ist es das Thema Nummer 1: Es m\u00fcssen neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden!<\/p>\n<p>Wozu? Wird zu wenig produziert? Sind die Gesch\u00e4fte leer, weil die Produktion mit dem Konsum nicht schritthalten kann? Gibt es monatelange Lieferzeiten bei den einfachsten Konsumg\u00fctern? Also ich kann keines dieser Probleme orten. Sie vielleicht?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil: Ein NASA-Rechenmodell<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> kommt zu dem Schluss, dass \u2013 wie man es auch dreht und wendet \u2013 unsere Zivilisation nicht aufrecht zu erhalten ist, da wir mehr Ressourcen verbrauchen als die Erde liefern kann. Ganz zu schweigen von den Umweltproblemen wie CO2-Aussto\u00df und Erderw\u00e4rmung. Und da wollen wir, zur Gruppe der reichsten Industriel\u00e4nder geh\u00f6rend, noch wachsen? Was bleibt dann f\u00fcr die armen L\u00e4nder?<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich scheint der Ruf nach Arbeitspl\u00e4tzen nicht auf einem Mangel an Gebrauchsg\u00fctern zu beruhen, sondern auf der Arbeitsmarktstatistik. Es gibt immer mehr Arbeitslose. Dummerweise verschwinden immer mehr Arbeitspl\u00e4tze durch Automatisierung und Computerisierung<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>. Der Ruf nach mehr Arbeitspl\u00e4tzen hat also die gleiche Sinnhaftigkeit wie der Ruf nach weniger Regen bei Hochwasser.<\/p>\n<p>Versch\u00e4rft wird die Arbeitslosenproblematik nat\u00fcrlich noch von Scheuklappen-Politikern und \u2013Wirtschaftsfachleuten, die uns vorrechnen, dass bei steigender Lebenserwartung auch das Pensionsalter steigen muss, um die Staatskassen gef\u00fcllt zu halten. Dass durch steigendes Pensionsalter keine Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden, sondern Jugendarbeitslosigkeit, ist da offensichtlich kein Thema. F\u00fcr Jugendarbeitslosigkeit sind ja andere Politiker und andere Wirtschaftsfachleute zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es L\u00f6sungsans\u00e4tze: die Zumutbarkeitsbestimmungen versch\u00e4rfen. Beispielsweise in der Gastronomie soll es ja jede Menge freie Arbeitspl\u00e4tze geben, f\u00fcr die keine Interessenten gefunden werden k\u00f6nnen. Dabei hat der Kapitalismus ein perfektes Mittel zur Hand, Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage auszugleichen: Geld! Warum soll ich einen Familienvater von Staats wegen dazu zwingen, monatelang auf einer einsamen Schih\u00fctte besoffene Schifahrer f\u00fcr ein unattraktives Gehalt zu bedienen? Wenn der Lohn in Ordnung ist,\u00a0 wird sich schon wer finden! Mag sein, dass dann der Schnaps etwas teurer wird. Na wenn schon!<\/p>\n<p>Zahlt also ordentliche Geh\u00e4lter und lasst die Leute in Fr\u00fchpension gehen, wenn sie gerne m\u00f6chten. Dann wird sich die Situation schnell entspannen. \u201eMit was f\u00fcr einem Geld?\u201c ist nat\u00fcrlich gleich die n\u00e4chste Frage.<\/p>\n<p>Jeder W\u00fcrstelstand zahlt in \u00d6sterreich mehr Steuern, als die gro\u00dfen Konzerne! Google, Apple, Amazon, IKEA<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>, um nur einige zu nennen, zahlen in \u00d6sterreich keine nennenswerten Steuern! Unser Finanzminister und Steuerfluchthelfer Schelling kennt sich da eh gut aus: Beim \u00d6sterreichischen M\u00f6belhaus XXXLutz hat er die Zentrale nach Malta verlegt, um in \u00d6sterreich Steuern zu sparen. W\u00fcrde jeder Konzern in \u00d6sterreich so viel Steuern zahlen, wie es jeder kleine Gewerbebetrieb auch mu\u00df, h\u00e4tten wir keinerlei Budget-Probleme!<\/p>\n<p>Weiters: Das Steuersystem in \u00d6sterreich und auch in den meisten anderen L\u00e4ndern ist eine eklatante Fehlkonstruktion aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten. Es beruht prim\u00e4r darauf, dass die Masse des Steueraufkommens von jenen geleistet wird, welche arbeiten. Das mag in der vorindustriellen Gesellschaft seine Berechtigung gehabt haben, heute ist es v\u00f6llig widersinnig. Je mehr Arbeit von Computern und Maschinen geleistet wird, desto mehr sinkt das Steueraufkommen. Es grenzt schon ans Absurde: Je mehr Leute ein Betrieb einstellt, desto mehr muss er Arbeitslosen-, Kranken- und Pensionsbeitr\u00e4ge zahlen. Wer seinen Profit mit Maschinen erwirtschaftet, spart sich das.<\/p>\n<p>Dabei hat ein Politiker namens Alfred Dallinger schon in den 1980er Jahren einen Ersatz f\u00fcr dieses unbrauchbare Steuersystem vorgeschlagen: die Wertsch\u00f6pfungsabgabe. Die Sozialabgaben werden nicht nach der Anzahl der Besch\u00e4ftigten abgef\u00fchrt, sondern nach der Wertsch\u00f6pfung, die im Betrieb erwirtschaftet wird. Frei nach Leitls Motto: \u201eWenn\u2019s der Wirtschaft gut geht, geht\u2019s uns allen gut!\u201c<\/p>\n<p>Aus unerfindlichen Gr\u00fcnden wurde die Wertsch\u00f6pfungsabgabe als \u201eMaschinensteuer\u201c verunglimpft \u2013 wobei mir unklar ist, was so schlimm daran ist, wenn die Maschinen Steuer zahlen anstatt der Menschen, da sie doch auch das Geld verdienen. Studien zur Wertsch\u00f6pfungsabgabe wurden in Auftrag gegeben<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> und haben einerseits eine positive Besch\u00e4ftigungsentwicklung erkannt, andererseits als Nachteil hervorgehoben, dass die Kapitalbildung und damit der technische Fortschritt etwas behindert w\u00fcrde.<\/p>\n<p>35 Jahre nach Dallinger haben sich die Nachteile relativiert. Wenn wir noch zwei Smartphone-Generationen oder eine Dieselmotor-Generation weiter hinten w\u00e4ren, w\u00fcrde das unsere Lebensqualit\u00e4t wohl kaum mindern. Und das Kapital bleibt schon lang nicht mehr in den Betrieben, wo es dem technischen Fortschritt und der Zukunft des Unternehmens dient. Es flie\u00dft zu einem hohen Anteil an Shareholder, die sich mit einem Geldregen konfrontiert sehen, der angelegt werden will. Da bietet es sich an, staatliche Unternehmen oder zumindest Anteile davon zu kaufen, da ja der Staat durch mangelnde Steuereinnahmen gro\u00dfen Geldbedarf hat. Der erste Schritt nach einer Privatisierung ist nat\u00fcrlich immer die Suche nach M\u00f6glichkeiten zur Effizienzsteigerung. Was zumeist mit einem Arbeitskr\u00e4fteabbau erreicht wird.<\/p>\n<p>Und bei den n\u00e4chsten Wahlen werden uns wieder Arbeitspl\u00e4tze versprochen\u2026.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.sein.de\/nasa-kollaps-unserer-zivilisation-unausweichlich\/\">https:\/\/www.sein.de\/nasa-kollaps-unserer-zivilisation-unausweichlich\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> <a href=\"http:\/\/orf.at\/stories\/2308209\/2308214\/\">http:\/\/orf.at\/stories\/2308209\/2308214\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.wifo.ac.at\/bibliothek\/archiv\/MOBE\/1997Heft09_567_570.pdf\">http:\/\/www.wifo.ac.at\/bibliothek\/archiv\/MOBE\/1997Heft09_567_570.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/ikea-und-die-steuervermeidung--zahlst-du-noch-oder-trickst-du-schon--6699224.html\">http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/ikea-und-die-steuervermeidung&#8211;zahlst-du-noch-oder-trickst-du-schon&#8211;6699224.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wien.orf.at\/news\/stories\/2779393\/\">http:\/\/wien.orf.at\/news\/stories\/2779393\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/bahn-plant-zuege-ohne-lokfuehrer-14278928.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/bahn-plant-zuege-ohne-lokfuehrer-14278928.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf jeder Wahlveranstaltung, auf jedem Wirtschaftsgipfel ist es das Thema Nummer 1: Es m\u00fcssen neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden! 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